Wissen / Praxis
Die Seed-Phrase sichern
Wo die Wörter hingehören, wo nicht, und warum die Sicherung überprüft sein muss, bevor Geld darauf liegt.
Redaktion coldkey.eu · 9 Min. Lesezeit · Stand 01.09.2026
Die Seed-Phrase ist die Wallet. Alles andere ist ersetzbar. Entsprechend lohnt es sich, für diesen einen Schritt mehr Zeit aufzuwenden als für den Gerätekauf.
Was auf keinen Fall passieren darf
- Kein Foto. Das Handy synchronisiert in die Cloud, und zwar sofort. Auch ein gelöschtes Foto liegt noch in einem Papierkorb-Ordner, oft 30 Tage lang, oft auf einem fremden Server.
- Kein Passwortmanager, kein Notiz-Programm, keine E-Mail an sich selbst. Alle drei sind darauf ausgelegt, überall verfügbar zu sein — das ist das Gegenteil dessen, was hier gebraucht wird.
- Nicht eintippen, um sie zu „prüfen". Es gibt Webseiten, die anbieten, eine Seed-Phrase zu validieren. Wer dort eintippt, hat sie verschenkt.
- Nicht drucken. Viele Netzwerkdrucker speichern Aufträge zwischen, teils auf einer internen Festplatte, teils bis zum nächsten Servicetermin.
- Kein Seed, den ein Gerät bereits ausgefüllt mitgebracht hat. Eine Wallet, die mit einer vorgedruckten Wortliste im Karton kommt, ist entweder eine Fälschung oder ein Betrug. Ein neues Gerät erzeugt den Seed beim ersten Start selbst.
Papier, Metall, oder beides
Papier ist besser als sein Ruf, wenn es mit Bleistift oder dokumentenechtem Stift beschrieben und trocken gelagert wird. Es ist billig genug, um mehrere Kopien anzulegen — und mehrere Kopien sind wichtiger als eine besonders robuste.
Metall löst genau zwei Bedrohungen: Feuer und Wasser. Beide sind real, beide treffen die Sicherung typischerweise genau dann, wenn auch das Gerät weg ist. Die Bauarten reichen von gestanzten Buchstabenplättchen bis zu Platten, in die man mit einem Körner schlägt. Wer Wörter einzeln einlegt, sollte die Platte hinterher nicht schütteln müssen.
Für die meisten ist die sinnvolle Kombination: eine Metallsicherung als Original, ein Papierduplikat an einem anderen Ort.
Mehrere Orte, nicht mehrere Schubladen
Zwei Kopien in derselben Wohnung sind eine Kopie. Wohnungsbrand, Einbruch und Wasserschaden treffen beide. Sinnvoll sind Orte, die unterschiedlichen Ereignissen ausgesetzt sind: Wohnung und ein zweiter Haushalt, dem man vertraut. Ein Bankschließfach ist gegen Feuer und Diebstahl gut und gegen Erreichbarkeit schlecht — an einem Sonntag kommt niemand daran.
Aufteilen: nur, wenn man das Verfahren kennt
Die Idee, die 24 Wörter auf zwei Orte à 12 zu verteilen, ist verbreitet und falsch. Sie schwächt den Seed erheblich, weil die Hälfte der Wörter den Suchraum für den Rest drastisch verkleinert — und sie erzeugt eine Sicherung, bei der beide Teile vorhanden sein müssen. Das erhöht das Verlustrisiko und senkt zugleich den Schutz.
Wer wirklich aufteilen will, braucht ein Verfahren, das dafür gebaut ist: SLIP39 beziehungsweise Shamirs Geheimnisteilung, bei dem etwa drei von fünf Teilen genügen und ein einzelner Teil nichts verrät. Das unterstützen nicht alle Geräte. Wer es nicht sicher beherrscht, ist mit mehreren vollständigen Kopien besser bedient.
Der Schritt, den fast alle auslassen
Der Ablauf, bevor ein nennenswerter Betrag auf die Wallet geht:
- Seed notieren und Wort für Wort gegen das Gerät gegenlesen — rückwärts, von 24 nach 1. Vorwärts liest das Auge, was es erwartet.
- Einen kleinen Betrag senden.
- Das Gerät vollständig zurücksetzen. Auf null.
- Ausschließlich aus der Papier- oder Metallsicherung wiederherstellen.
- Steht der Betrag wieder da, ist die Sicherung belegt. Steht er nicht da, haben Sie das gerade zum bestmöglichen Zeitpunkt erfahren.
Und noch bevor Sie irgendetwas eintippen: Die Wörter gehören auf kein Formular und auf keine Webseite. Wie die Maschen aussehen, die genau darauf zielen, steht unter Betrugsmaschen rund um Wallets.
Wer eine Passphrase verwendet, muss diesen Durchlauf mit Passphrase machen — und die Passphrase getrennt vom Seed sichern. Sonst ergibt sie keinen Sinn: liegen beide im selben Umschlag, ist sie nur ein längerer Seed.
Was im Erbfall passiert
Ausführlich steht das unter Krypto im Erbfall. Kurz: Eine gut versteckte Sicherung, von der niemand weiß, ist im Todesfall eine vernichtete Sicherung. Wer das regeln will, braucht keine Anleitung im Testament — die wird beim Nachlassgericht vorgelesen — sondern einen Hinweis darauf, dass es etwas gibt und wer den Weg dorthin kennt. Die Aufteilung zwischen „wo liegt es" und „wie öffnet man es" auf zwei Personen ist hier das übliche Muster.