Wissen / Praxis
Krypto im Erbfall
Erben erben auch Bitcoin — aber nur, wenn sie an die Schlüssel kommen. Wie man das vorbereitet, ohne den Seed aus der Hand zu geben.
Redaktion coldkey.eu · 9 Min. Lesezeit · Stand 01.09.2026
Beim Erbfall gehen Vermögenswerte auf die Erben über; für Kryptowerte gilt insoweit nichts Besonderes. Das Problem liegt nicht im Recht, sondern in der Physik der Sache:
Ein Erbe, der keinen Zugang zum privaten Schlüssel hat, hat einen Anspruch auf etwas, an das niemand herankommt. Es gibt keine Stelle, bei der man einen Erbschein vorlegen und Auszahlung verlangen könnte. Kein Gericht kann eine Blockchain anweisen.
Die drei Fragen, die ein Erbe beantworten können muss
- Dass es überhaupt etwas gibt.
- Wo das Material liegt — Gerät und Sicherung.
- Wie man es benutzt.
Am häufigsten scheitert es an Frage 1. Eine perfekt versteckte Metallplatte, von der niemand weiß, ist im Todesfall eine vernichtete Sicherung — sie landet im Container.
Was nicht ins Testament gehört
Die Seed-Phrase nicht. Ein Testament wird beim Nachlassgericht eröffnet, in der Regel verlesen und zur Akte genommen; Beteiligte können Einsicht nehmen. Wer die zwölf Wörter hineinschreibt, gibt sie damit aus der Hand — und das schon zu Lebzeiten, sobald das Testament hinterlegt ist.
Dasselbe gilt für jede Kopie beim Anwalt, im Bankschließfach mit Vollmacht, oder in einem Umschlag „im Todesfall zu öffnen", den mehrere Personen erreichen können.
Was hineingehört
Der Hinweis, nicht das Geheimnis. Etwa: dass digitale Vermögenswerte vorhanden sind, dass eine Anleitung existiert und wo diese Anleitung liegt, sowie wer beim technischen Vollzug helfen soll. Das ist eine Landkarte, kein Schlüssel — sie nützt niemandem, der nicht auch an das Material kommt.
Die Trennung, die das Problem löst
Das übliche Muster: zwei Personen oder zwei Orte, von denen keiner allein etwas anfangen kann.
- Person A weiß, dass es etwas gibt und wo die Anleitung liegt.
- Ort B — Tresor, Schließfach — enthält die Sicherung selbst.
- Erst beides zusammen ergibt Zugang.
Wer Mehrfachsignatur nutzt, hat diese Trennung technisch schon: zwei von drei Schlüsseln an verschiedenen Stellen, dazu der Descriptor. Das ist die sauberste Form der Nachlassvorsorge, die es hier gibt — sie braucht kein Vertrauen in eine einzelne Person.
Die Anleitung selbst
Sie sollte für jemanden verständlich sein, der von Bitcoin nichts versteht, und ohne Fachbegriffe auskommen. Sinnvolle Bestandteile:
- Welche Art von Gerät oder Sicherung existiert und wie es aussieht — damit es nicht versehentlich entsorgt wird.
- Welche Wallet-Software verwendet wurde.
- Der Ableitungspfad und ob eine Passphrase im Spiel ist. Ohne diese Angaben erlebt der Erbe genau den Fehlalarm aus jenem Beitrag — richtiger Seed, leeres Wallet.
- Eine Warnung: dass niemand die Wörter irgendwo eintippen darf außer auf einem eigenen Gerät, und dass sich sofort „Helfer" melden werden. Siehe Betrugsmaschen — Erben sind ein bevorzugtes Ziel, weil sie unerfahren und unter Druck sind.
- Der Hinweis, im Zweifel nichts zu tun und fachkundige Hilfe zu holen. Untätigkeit kostet nichts; ein Fehlversuch kann alles kosten.
Der praktische Nebenschauplatz: Unterlagen
Erben brauchen nicht nur Zugang, sondern auch eine nachvollziehbare Aufstellung — und die entsteht bei Selbstverwahrung nicht von allein. Was Programme dafür leisten und was sie ausdrücklich nicht sind, steht unter Software für die Krypto-Steuer.
Was der Wächter dazu beiträgt
Der Coldkey Wächter löst genau Frage 1: In der Stufe Nachlass hinterlegen Sie eine Vertrauensperson und einen Text. Melden Sie sich über einen selbst gewählten Zeitraum nicht — nach mehreren Vorwarnungen an Sie selbst —, wird der Text zugestellt.
Der Text enthält die Landkarte, nie den Schlüssel. Ein Dienst, bei dem man den Seed hinterlegt, hätte ihn hinterlegt; damit wäre er weggegeben, und der ganze Sinn der Selbstverwahrung dahin. Diese Stufe ist derzeit beschrieben, aber noch nicht buchbar.
Und sie ersetzt kein Testament. Sie sorgt nur dafür, dass jemand erfährt, dass es etwas zu erben gibt.